Zuerst die Grundversorgung sichern

05.08.2014

Nicht an medizinischer Versorgung mangelt es vielen drogenabhängigen HIV-Betroffenen, sondern an Wohnung und Betreuung. Ein Statement vom Fachlichen Leiter Martin Hilckmann.

Im Epidemologischen Bulletin vom 30. Juni 2014 hatte das Robert Koch-Institut (RKI) festgestellt, dass bei 60 Prozent der zwischen Januar 2011 und Dezember 2013 an Aids erkrankten intravenös Drogen Gebrauchenden ihre HIV-Infektion schon länger als ein Jahr bekannt war.

„Dies deutet darauf hin, dass der Zugang zum medizinischen Versorgungsangebot teilweise unzureichend auf die besonderen Bedarfe dieser spezifischen Patientengruppe zugeschnitten ist oder durch andere Maßnahmen – zum Beispiel Inhaftierung – unterbrochen wird“, so das RKI.

Die Deutsche AIDS-Hilfe (DAH) berichtete in ihrem Blog über diese Kommentierung der Zahlen durch das RKI und holte dazu Statements von Vertretern mehrerer Berliner Einrichtungen ein.

Ohne Dach über dem Kopf kein Arztbesuch

Aus Sicht von ZIK ist zu unterstreichen, dass insbesondere für Drogenkonsumentinnen und -konsumenten, die keine Bleibe haben, die ärztliche Versorgung unerreichbar zu sein scheint und die Beschaffung von Nahrung und Drogen im Alltag für sie die höchste Priorität besitzt.

Wir gehen darum davon aus, dass zunächst ihre Grundbedürfnisse befriedigt werden müssen. Dazu gehören eine verlässliche Wohnsituation, eine passende psychosoziale Betreuung und ein akzeptierender Umgang mit der jeweiligen Drogenproblematik.

Und dazu gehört dann selbstverständlich auch, dass mit den Betroffenen über die Möglichkeiten und Wege einer antiretroviralen Therapie gesprochen wird.

Kein Problem des medizinischen Angebots

Insofern deuten wir die vom RKI ermittelte hohe Zahl von medizinisch unzureichend erfassten Drogenabhängigen mit HIV und Aids nicht als Zeichen für Defizite im medizinischen Versorgungsangebot.

Sie verweist vielmehr darauf, dass ein gestiegener Bedarf an Plätzen in Einrichtungen des Betreuten Wohnens besteht - denn wer bisher dort unterkommen konnte, ist selbstverständlich der medizinischen Versorgung sicher und erhält bei Bedarf auch ambulante Pflege.

Daher werben wir verstärkt bei Wohnungseigentümerinnen und Wohnungseigentümern um Raum für unsere Angebote des Betreuten Wohnens für Menschen mit HIV, Aids und Hepatitis C, bei denen oft auch ein Suchtproblem besteht.

Einblicke in unsere Arbeit geben wir mit unseren Berichten aus dem Alltag und mit unseren Video-Testimonials, in denen Betroffene und ihre Betreuerinnen und Betreuer zu Wort kommen.

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Martin Hilckmann
Fachlicher Leiter

Martin Hilckmann
 

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