Lösungen gemeinsam finden

23.07.2014

Stefan Prager ist Psychologe. Er arbeitet gemeinsam mit Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern im Betreuten Gemeinschaftswohnen von R129. In der psychosozialen Betreuung steht er auch Pflegebedürftigen bei.

Stefan Pragerzoom

Mir hilft es oft, dass ich aufgrund meiner Ausbildung und Erfahrung die Verhaltensmuster unserer Klientinnen und Klienten erkennen und deuten kann. Mancher Affront gegen uns Betreuerinnen und Betreuer lässt sich beispielsweise als Form der Bewältigung früherer Erlebnisse verstehen. Solche Ereignisse versuche ich dann in unseren Teamsitzungen zu analysieren und zu erklären.  

 
 

Betreuung und Pflege arbeiten zusammen

Wir haben viele Klientinnen und Klienten, die körperlich und psychisch schwer beeinträchtigt sind. Unsere Betreuung erfolgt im Rahmen der Eingliederungshilfe, der es darum geht, an der Stabilisierung zu arbeiten, um wieder mehr Selbständigkeit trotz der Einschränkungen zu erreichen.  

Nicht wenige sind auf Pflege angewiesen. In unserer Einrichtung haben wir dazu kurze Wege, weil im Haus auch eine Pflegeetage ist. Dort arbeiten Hauswirtschaftler und Krankenpfleger. So können wir mit ihnen individuell schauen, welche Unterstützung auch bei uns benötigt wird.  

Das beginnt mit kleinen Dingen, etwa wenn jemand es nicht schafft, regelmäßig seine Medikamente zu nehmen. Dann binden wir die ambulante Krankenpflege des FELIX Pflegedienstes mit ein. Oder jemand schafft es nicht, seine Wohnung sauber zu halten und für seinen Bedarf einzukaufen, dann können wir einen Hauswirtschaftler in die Betreuung einbeziehen.  

Ein Beispiel

Ich denke da gerade an einen Klienten, der vor einiger Zeit aus dem Betreuten Einzelwohnung zu uns kam und sich nicht mehr hinreichend allein versorgen konnte. Er hat eine HIV-Erkrankung und ist zudem durch Drogengebrauch geschädigt. So brauchte er eine engmaschigere Betreuung, wie wir sie in unserer Einrichtung anbieten können. Dies hat zu einer deutlichen Verbesserung für ihn geführt. Dennoch baute er bald wieder ab, denn er hatte über viele Jahre eine Essstörung entwickelt und war dabei schon stark abgemagert. Wir haben dann mit dem Pflegedienst einen Weg gefunden, dass er an einer speziellen Essensgruppe teilnehmen konnte, wozu wir ihn natürlich motivieren mussten. Auch war es erst einmal nicht einfach für ihn, zuzulassen, dass für ihn eingekauft wurde, und zwar so, dass seine Ernährung ausgewogener werden konnte, denn das brauchte er dringend für seine körperliche Stabilisierung.   

Unser Erfolg bestand nicht darin, dass wir all die Probleme hätten beseitigen können; das gelang nicht. Wichtiger war, dass wir die notwendige Zeit hatten, gemeinsam mit ihm einen Weg zu finden, wie er gut weiter versorgt werden kann. Trotz unserer engen Betreuung und trotz des Gemeinschaftswohnens waren wir an unsere Grenzen gestoßen und konnten seinen Pflegebedarf mit unserem ambulanten Dienst nicht mehr gewährleisten. Er drückte irgendwann alle paar Minuten den Notruf, konnte dann aber meist keinen Grund mehr dafür nennen - dies konnten wir als Eingliederungshilfe und auch mit dem ambulanten Dienst nicht mehr auffangen. 

Die Lösung ergab sich erfreulicherweise im Hause selbst, indem er in die Pflegeetage vom FELIX Pflegedienst umziehen konnte. Diese Lösung in aller Ruhe mit ihm gemeinsam entwickeln zu können, sodass der Umzug sein eigener Wunsch wurde, und damit auch zum notwendigen Stressabbau bei ihm beigetragen zu haben, ist in meinen Augen ein wirklich gutes Ergebnis. Ich stehe ja weiterhin mit ihm in Kontakt und kann nun erleben, dass die Kolleginnen und Kollegen von der Pflegestation sehr zu mehr Wohlbefinden bei ihm beitragen. Und er selbst konnte sich nur darauf einlassen, weil er genügend Zeit und die Freiheit hatte, sich dafür zu entscheiden. 

Stefan Prager

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