Görlitzer Park: weg mit dem Zaun!

26.01.2026

Menschen brauchen Unterstützung statt Repression

Am Görlitzer Park

Der Görli in Kreuzberg soll nachts für alle Menschen gesperrt werden. Kollege David Kiefer berichtet, warum das kein Problem lösen wird. 

Der Görlitzer Park im Berliner Stadtteil Kreuzberg ist seit Langem wegen Drogenkriminalität und auch Gewalttaten ein Thema in Politik und Medien. Tatsächlich, es gibt soziale Konflikte um Drogenkonsum, Drogenhandel, Wohnungslosigkeit, aber auch Verdrängung im Kiez. Bei den Forderungen nach mehr Überwachung, Kontrolle und Polizei geht es dabei oft nicht um mehr Sicherheit, sondern um repressive (Migrations-)Politik und Gentrifizierung. Nun wird ein Zaun gebaut. Drehkreuze und Kameras sollen an den Eingängen zum Einsatz kommen – und nachts der gesamte Park gesperrt werden. So wird aber kein Problem im Kiez gelöst. Ein Zaun schützt nicht vor Gewalt und hilft keiner wohnungslosen Person. Er macht die Situation von Drogenkonsument*innen nicht besser und dämmt keinen Drogenhandel ein. 

David Kiefer leitet den Standort R96 und engagiert sich bei der Initiative „Görli zaunfrei!“

David Kiefer von LA VIDA leitet den ZIK-Standort in der Reichenberger Straße 96, gleich beim Görli. Er macht sich für die Initiative „Görli zaunfrei“ stark und erzählt im Gespräch, was ein Zaun für die Menschen in der Nachbarschaft bedeutet: 

Betrifft der Zaun auch die Bewohner*innen der R96, also eures Standorts am Görli? Besprecht Ihr das Thema gemeinsam? 

Der Zaun betrifft zum einen Klient*innen, die im Park mit ihrem Hund eine Runde drehen wollen. Andere grenzen sich vom Geschehen im Görli ab, um in ihrem Suchtverhalten bzw. Abstinenzwunsch möglichst stabil zu bleiben. Wenn der Park nachts geschlossen wird, besteht bei vielen nun die Befürchtung, dass sich das Geschehen einfach in die Wohngebiete um den Görli verlagert. Unser Klient Uwe D. meinte zu mir: „Ich will damit am liebsten nichts mehr zu tun haben. Wenn sich das nach draußen verlagert, wird das schwer für mich. Das macht mir große Sorgen.“

„Viele mit eigener Suchterfahrung wissen genau, dass ordnungspolitische Maßnahmen am Grundproblem nichts ändern“ 

Letztes Jahr haben wir gemeinsam mit unseren Bewohner*innen einen Rundgang zur Geschichte des Görli gemacht. Dabei kamen wir natürlich auf den Zaun und die geplante nächtliche Schließung zu sprechen. Es gab klare Bedenken, etwa von Bewohner Serdar A.: „Ein Zaun hilft nicht, dann haben wir nur noch mehr Theater vor unserer Haustür oder im Haus!“ Viele Klient*innen mit eigener Suchterfahrung wissen nur zu genau, dass ordnungspolitische Maßnahmen am Grundproblem nichts ändern und es allenfalls zu einer Verlagerung von Treffpunkten kommt. 

Hört Ihr auch von Nachbar*innen, Partnern von LA VIDA-ZIK im Kiez und anderen, wie sie zum Zaun stehen? 

Klar, auch Nachbar*innen und andere soziale Träger aus der Umgebung befürchten eine Verlagerung des Geschehens: Konsument*innen, obdachlose Menschen und auch Dealer sind dann ja nicht weg oder lösen sich in Luft auf. Viele Nachbar*innen konnten wie wir schon in den letzten Jahren bei kaltem Wetter die Erfahrung machen, dass sich viel von dem Geschehen in die Hauseingänge und Treppenhäuser verlagert. Bisher konnte man niemandem im Kiez schlüssig erklären, was also ein Zaun angesichts der zweifelsohne bestehenden Probleme bewirken soll.

Was wären bessere Ideen, die den Menschen im Kiez wirklich helfen? 

Meiner Meinung nach braucht es nachhaltigere Lösungsansätze, etwa Konsum- und Aufenthaltsräume oder Anlaufstellen, die auch nachts geöffnet sind. Wohnungslose Menschen brauchen Wohnungen. Und für Menschen in Asylverfahren braucht es eine Perspektive und legale Möglichkeiten, an Geld zu kommen, zum Beispiel eine Arbeitserlaubnis. Das würde nicht gleich alle Probleme lösen, aber auf die Konflikte vor Ort viel effektiver einwirken. 

„Konflikte bestehen nicht nur rundum den Görli“ 

Letztendlich braucht es eine berlinweite Strategie zum Umgang mit Obdachlosigkeit oder Drogenkonsum. Es hilft nicht, am Görlitzer Park symbolisch einen Zaun aufzuziehen. Die sozialen Konflikte bestehen ja nicht nur hier bei uns in den Kiezen rund um den Görli. Anstatt Unsummen für einen Zaun und nächtliche Schließungen auszugeben und auf Repression zu setzen, wäre es nicht nur menschlicher, sondern auch wirksamer, im sozialen Bereich auf Kürzungen zu verzichten. Wir brauchen mehr professionelle Unterstützungsangebote für Menschen in kritischen Situationen, nicht weniger. Davon profitieren am Ende nicht nur marginalisierte Gruppen, sondern alle Bewohner*innen dieser Stadt.

LA VIDA unterstützt die Initiative „Görli zaunfrei“. Auf der Website finden sich aktuelle Termine, Material zum Teilen und mehr.

 
 

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