Eine überraschende Erfolgsgeschichte

18.10.2016

Stefan Prager ist Psychologe. Er arbeitet gemeinsam mit Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern im Betreuten Gemeinschaftswohnen von R129. In der psychosozialen Betreuung steht er auch Pflegebedürftigen bei.

Stefan Pragerzoom

Ein Klient von uns war in den 1990er Jahren nach Berlin gekommen und hatte in jener Zeit jede Menge Tabletten und Heroin konsumiert - und was immer noch an Drogen gerade zu haben war. 

Eine eigene Wohnung hatte er nicht mehr, er lebte jahrelang in Pensionen für Wohnungslose.

 
 

Irgendwann wurde er von seinem gesetzlichen Betreuer zu uns in das Betreute Gemeinschaftswohnen vermittelt, denn es ging ihm gesundheitlich immer schlechter, er war inzwischen starker Alkoholiker geworden. 

Über viele Jahre lebte er bei uns und geriet immer wieder in Phasen von übermäßigem Alkoholgenuss und Tablettenmissbrauch, gefolgt von Phasen des Entzugs und von Entwöhnungstherapien.

Seine Hepatitis-C-Erkrankung war inzwischen so fortgeschritten, dass klar war, er würde bald sterben müssen, wenn er weiterhin Drogen konsumieren würde. 

Die Wende

Da kam endlich der Moment, in dem es ihm gelang, nach zehn Jahren Betreuung bei uns vom Alkohol und den anderen Drogen Abstand zu nehmen. Das ist nun gut drei Jahre her. Er benötigte auch zunehmend weniger Leistungen unseres Pflegedienstes. 

All das hat ihn so stabilisiert, dass er in der Nähe eine einzelne Wohnung finden und sich vom Betreuten Gemeinschaftswohnen verabschieden konnte. Nun begleite ich ihn weiter im Rahmen des Betreuten Einzelwohnens.

Stabilisierung

Der Pflegedienst besucht ihn weiterhin einmal täglich, um ihm sein Substitut und seine Medikamente zu geben, denn das würde er im Alltag noch nicht eigenständig in der notwendigen Regelmäßigkeit schaffen. 

Ansonsten meistert er sein Leben richtig gut. Er hatte bei uns auch über längere Zeit an der Essensgruppe teilgenommen und weiß nun, wie er sich ernähren kann. 

So hat er im Laufe der Betreuung bei ZIK nicht nur viel gelernt, sondern vor allem auch selbst viel erreicht. Nach all den Jahren in Notunterkünften, unter Drogen, dann bei uns - und nun in einer eigenen Wohnung leben zu können, auch sein Geld wieder selbst einteilen zu können, so dass es bis zum Monatsende wirklich reicht, all das ist für ihn ersichtlich ein enormer Fortschritt.  

Passende Strategien

Für uns selbst änderten sich mit ihm auch die Schwerpunkte der Betreuung im Laufe dieser langjährigen Erfolgsgeschichte: Anfangs ging es uns besonders um die Prophylaxe, das Durchbrechen seines Suchtkreislaufes, und inzwischen geht es um die Suche nach sozialen Kontakten, die ihm selbst gut tun, es geht um die Einhaltung der Tagesstruktur in der eigenen Wohnung und um die Stabilisierung seiner Gesundheit. 

Damit sind wir gemeinsam mit ihm so weit gekommen, wie wir uns vor zehn Jahren nicht hätten träumen lassen.

Stefan Prager

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